Zwei Wege führen zur Erleuchtung

Es gibt grundsätzlich zwei Wege, die zur Erkenntnis, zur Erleuchtung (zu Gott) führen. Der äußere Weg, der Weg der Hingabe und der innere, der meditative (transzendente) Weg. Der äußere Weg besteht darin, richtig zu Handeln, seinen Nächsten zu lieben und ihm zu dienen. (1)
(1) So recht gefällt mir diese gutmenschliche Art nicht. Es ist selbstverständlich Menschen zu helfen, die unserer Hilfe bedürfen. Andererseits gibt es Menschen mit einem Helfersyndrom, die meinen Gott und der Welt helfen zu müssen. Und es gibt Menschen, die das schamlos ausnutzen. Ein Sprichwort sagt: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!
Mir scheint, manche Menschen mit dem Helfersyndrom wollen vielleicht nur etwas gut machen, was man vielleicht nicht wieder gut machen kann. Vielleicht haben sie ihre eigenen Kinder abgetrieben und meinen nun ihr schlechtes Gewissen dadurch beruhigen zu können, indem sie den edlen Samariter spielen. Andere wiederum haben andere Dinge begangen, die sie nun dazu treiben, etwas gutmachen zu wollen. Ich habe auch ein wenig das Gefühl, daß die Hinwendung nach außen ein wenig von der Hinwendung nach innen ablenken soll.

Ich habe mir das gerade eben noch einmal durchgelesen. Geschrieben hatte ich es bereits vor längerer Zeit und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich da mit meiner Ansicht richtig liege. Ich glaube auch, der Text wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus. Er wollte nämlich einerseits den Weg des Raja-Yoga aufzeigen, bei dem die Meditation ein wichtiges Element ist. Ein anderes wichtiges Element beim Raja-Yoga ist die sexuelle Enthaltsamkeit.

Der zweite Teil, der als äußerer Weg beschrieben wird, handelt vom Bhakti-Yoga. Beim Bhakti-Yoga geht der Yogi eine liebende Beziehung mit Gott ein. Und er verschenkt seine Liebe an seine Mitmenschen. Man kann Mönche und Nonnen, die einer charitativen Arbeit nachgehen, gewissermaßen als Bhakti-Yogis bezeichnen. Ihre Liebe gilt den kranken und hilfebedürftigen Menschen. Ziel des Bhakti-Yoga ist ebenso wie beim Raja-Yoga, mit Gott zu verschmelzen. Auch der Bhakti-Yogi sollte übrigens in Keuschheit leben.

Leider wird in diesem Text nicht näher auf den Bhakti-Yoga eingegangen. Aber wenn man den Link anklickt, gelangt man auf aine Seite von yoga-vidya.de, die sehr viele Informationen über Bhakti-Yoga enthält. Es gibt übrigens noch weitere Yoga-Wege, die man beschreiten kann. Man sagt, sie alle führen zu Gott. Man könnte auch sagen, sie führen zur Seligkeit der Erleuchtung, was im Prinzip dasselbe ist.

Dabei sollte man sich Gott nicht unbedingt als alten grauhaarigen Mann vorstellen, wenn jemand nicht religiös ist, sondern als einen Zustand ekstatischer Seligkeit, der einen in einen permanenten Freudentaumel, in eine permanentes Glücksgefühl versetzt. Die anderen Yogawege sind: Jnana Yoga - Karma Yoga - Kundalini Yoga - Hatha Yoga Und ganz viele Yogaarten findet ihr auf dieser Seite: Yoga-Arten. Schaut einmal vorbei. Es lohnt sich.  
Der meditative, transzendente Weg [der Raja-Yoga] erfordert eine tiefe nach innen gerichtete Meditation. Wer den meditativen Weg beschreitet stößt sehr schnell auf seine körperlichen Beschwerden. Er bemerkt seine Verspannungen, er bemerkt, daß er nicht in der Lage ist tief und entspannt zu atmen. Er bemerkt, wie schwer es ist, die Gedanken abzuschalten und Ruhe einkehren zu lassen, wie schwer es ist, sich auf die Atmung, auf das „Dritte Auge“ (Stirnchakra) oder auf die Körperschwere zu konzentrieren.

Mit der Zeit aber lernt man es, sich zu entspannen, immer tiefer zu meditieren. Mit geschlossenen Augen taucht man in eine bisher unbekannte Welt ein. Es geht darum, ein unbekanntes Land zu erforschen. Von der Angst in die Angstfreiheit, von der Verspannung in die Entspannung, von der Dunkelheit ins Licht vorzustoßen. In der Bibel heißt es (Johannes 1,5). „Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat's nicht begriffen.“ Unermessliche Lichtmassen und göttliche Energien warten darauf uns mit Liebe, Freude, mit tiefer inneren Zufriedenheit und Seligkeit zu erfüllen. Aber wir wenden uns ab und suchen das Glück im Äußeren.

Samadhi, Erleuchtung, der ekstatische Zustand des Einsseins mit Gott, ist ein freudiges Erlebnis. Dies ist das Ziel der Meditation, das Eintauchen in ein strahlendes Licht, in eine unendliche Sphäre der Freude und Glückseligkeit. Verbannt eure Unwissenheit, die euch einflüstern will, daß euer jetziges Leben, euer Leid, eure Traurigkeit und Unzufriedenheit alles sei. Bemüht euch um das wunderbare Erlebnis des Samdhi [der Erleuchtung]. Sphären strahlenden Lichts und himmlischer ewiger Glückseligkeit werden sich euch auftun.

Dann erkennt ihr, daß der Geist, der den unendlichen weiten Raum erfüllt, sich als Freude in euch offenbart. Ihr fühlt euch als Teil dieser unendlichen Natur, fühlt euch mit allem verbunden, mit den Sternen, den kosmischen Wellen, mit allem Leben, mit dem Lachen in allen Herzen, mit dem Duft und dem Lächeln auf dem Antlitz der Blumen, mit allen Menschen. Ihr spürt die Weisheit und die Kraft, die die ganze Schöpfung durchdringt, die uns wachsen, blühen und gedeihen läßt und das Universum aufrecht erhält

Bemüht euch um diese Erkenntnis. Wenn ihr weiter schlaft, werdet ihr nicht zu dieser Erkenntnis gelangen. Erst wenn ihr euch bemüht, werdet ihr wissen, daß diese Wahrheit ewig in eurer Seele pulsiert. Meditiert! Nehmt euch diese befreiende Lehre zu Herzen. Erkennt, daß eure Befreiung von Sorgen, Angst und Leid in eurem eigenen Innern liegt. Befreit euch davon für immer und ewig.

Wenn sexuelle Lust an die Stelle der Liebe tritt
Mache dich nicht zum Sklaven deiner Sinne
Wenn Liebe tiefer geht, wird sie zum Gebet
Freiheit ist der einzige Weg zu Gott
Der Körper hat seine eigene Weisheit

Wenn sexuelle Lust an die Stelle der Liebe tritt

Um den Menschen an das Erdenleben gebunden zu halten, erschuf Satan den Geschlechtstrieb. Mit dieser Versuchung hat der Mensch von Anfang an zu kämpfen gehabt. Gott erschuf Mann und Frau kraft seines Willens. Sie waren die zu Körpern verdichteten Ausdrucksformen göttlicher Weisheit und göttlichen Gefühls.

Mann und Frau hatten ursprünglich dieselbe Macht wie Gott und konnten (im Paradies) allein durch geistige Kraft Kinder zeugen. Adam und Eve waren dazu von Gott befähigt worden, sich auf unbefleckte, das heißt göttliche Weise fortzupflanzen. Dann führte die Kraft des Bösen (Satan, symbolisiert durch die Schlange) Eva in Versuchung von der „verbotenen Frucht“ (vom Baum der Erkenntnis), dem Geschlechtsgenuß, mitten im Garten (Körper) zu essen. (Bibel: 1 Moses 3,3)

Gott hatte Adam und Eva gestattet, sich aller Sinneswahrnehmungen am „Baum des Lebens“ (1) zu erfreuen, mit Ausnahme der sexuellen Befriedigung mitten im Garten (Körper). Gott hatte ihnen gestattet, sich aller Sinneswahrnehmungen am „Baum des Lebens“ (den Energiezentren (Chakren) in der Wirbelsäule) zu erfreuen, mit Ausnahme der Sexualität inmitten (in der Mitte) des körperlichen Gartens.
(1) Der Baum des Lebens im Alten Testament: Nach dem 1. Buch Mose des Alten Testaments ließ Gott den „Baum des Lebens“ und den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ in der Mitte des Gartens in Eden wachsen. Er verbot den Menschen aber, von den Früchten des „Baums der Erkenntnis“ zu essen, da dies den Verlust des ewigen Lebens zur Folge hätte.

Eva antwortete der Schlange, die sie überreden wollte, vom „Baums der Erkenntnis“ zu essen, dass man vom Baum „in der Mitte des Gartens“ nicht essen dürfe. Als Adam und Eva sich aber doch von der Schlange verführen ließen, das göttliche Gebot zu übertreten und von den verbotenen Früchten gegessen hatten, vertrieb Gott den Menschen „aus dem Garten von Eden“ (aus dem Paradies).
Die Schlange, die Eva in Versuchung führte, ist die zusammengerollte Kundalini-Energie am unteren Ende der Wirbelsäule (am Steissbein), die die Sexualität anregt. Wenn das Gefühl, das Evabewusstsein im Menschen vom Geschlechtstrieb überwältigt wird, dann unterliegt auch Adam, das heißt, die Vernunft.

Der Geschlechtstrieb ist das trügerische Gegenstück zur Glückseligkeit Gottes. Wenn sexuelle Lust an die Stelle der Liebe tritt, dann wird sie zum Werkzeug des Teufels und hält das Bewusstsein des Menschen an die Sinne gebunden. Dadurch wird der Mensch gewissermaßen aus dem Paradies vertrieben, er verliert die Seligkeit, das göttliche Gefühl der Ekstase, die ihm die sublimierte (bewahrte) sexuelle Energie schenken würde. Es ist ihm nicht mehr möglich, daß göttliche Bewusstsein zu erleben, die ewig bestehende, ewig bewußte, ewig neue Freude.

Der Geschlechtstrieb, das Verlangen nach Wein, Geld, Naschereien, sie alle sind von Satan erschaffene Täuschungen, welche die Seele hindern sollen in tiefe Ekstase einzugehen. Als Adam und Eva sich dem Geschlechtsgenuß hingaben, wurden sie aus dem Paradies vertrieben (2). Das heißt, sie verloren jenes göttliche Bewusstsein, jene seelische Entzückung, in der sie sich eins mit Gott fühlen konnten.
(2) Der Geschlechtsgenuß steht hierbei symbolisch für alle Genüße, die dem Menschen schaden zufügen, vor allem dann, wenn man sie übermäßig genießt. Mir scheint, die Männer sind eher von der Sucht nach Sexualität, Alkohol oder Drogen betroffen. Frauen neigen dagegen vielleicht eher dazu, sich an süßen Naschereien zu erfreuen, denn die Sexualität scheint bei den Frauen im Allgemeinen nicht so stark ausgeprägt zu sein.
Seit jener Zeit, müssen sich die Menschen, genau so wie die Tiere, auf geschlechtliche Art fortpflanzen, müssen die Frauen ihre Kinder mühsam und schmerzvoll gebären. Auch müssen Mann und Frau das akzeptieren, was ihnen gegeben wird. Ursprünglich waren sie wie Gott fähig kraft ihres Geistes alles zu erschaffen, was sie sich wünschten. O, selige Zeit der ersten Unschuld!

Das sollte uns aber nicht davon abhalten, diese Unschuld zurückzugewinnen, den Weg in den Garten Eden erneut zu beschreiten, denn das Paradies ist in uns. Meditation und ein spirituelles Leben sind der Weg, der uns wieder dorthin führt. Der Weg vom Himmel zur Hölle ist uns bekannt. Es liegt an uns selbst den umgekehrten Weg zu beschreiten.

Ich habe ein wenig im Internet recherchiert, um eine bessere Erklärung zu finden. Dabei habe ich folgende Erklärung gefunden:
Der Baum des Lebens im Alten Testament Nach Gen 2,9 EU des Alten Testaments ließ Gott den „Baum des Lebens” und den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse” in der Mitte des Gartens in Eden wachsen. Er verbot den Menschen aber, von den Früchten des Baums der Erkenntnis zu essen, da dies den Verlust des Lebens (2,17 EU) bzw. ewigen Lebens (3,22 EU) zur Folge hätte.

In Gen 3,3 EU stellt es Eva gegenüber der Schlange so dar, dass man vom Baum „in der Mitte des Gartens“ nicht essen dürfe.

Als Adam und Eva – von der Schlange verführt – das göttliche Gebot übertreten und von den verbotenen Früchten [des „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse”] gegessen hatten, vertrieb Gott den Menschen „aus dem Garten von Eden“ (3,23 EU), dass er „jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt und ewig lebt“ (3,22 EU). Dies hätte ein ewiges Leben bedeutet. Als Wächter stellte Gott „die Kerubim [Engel von hohem Rang] auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum „Baum des Lebens” bewachten“ (3,24 EU). Der Genuss auch noch der Früchte des „Baums des Lebens” war somit für Adam und Eva unmöglich.
Ich würde den Text wie folgt interpretieren. Der „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse” ist unmittelbar mit der Sexualität verbunden. Wenn man sich nicht in der Sexualität verliert, wenn man die Sexualität nicht permanent zur eigenen sexuellen Befriedigung mißbraucht, dann bleibt man gewissermaßen im Paradies, denn dann kann die sexuelle Energie in Lebensfreude, Seligkeit verwandelt werden. Vergeudet man dagegen pausenlos seine sexuellen Energien, so verliert der Körper die Möglichkeit körpereigene Drogen zu produzieren, die ein exstatisches Wohlbefinden ermöglichen. Man wird gewissermaßen aus dem Paradies vertrieben.

Dem zweiten Baum, dem „Baum des Lebens”, würde ich keine allzu große Bedeutung beimessen, denn mit dem Versprechen des ewigen Lebens kann ich nicht viel anfangen. Ist es nicht ein Vertrösten auf eine bessere Zeit, die einst kommen soll? Wenn ich aber glücklich sein möchte, dann hier und heute und nicht in ferner Zukunft. Ich glaube aber, daß das meiste Leid der Menschen dadurch erzeugt wird, weil sie Sklave ihrer Sexsucht sind und sich mit jeder neuen sexuellen Befriedigung sich jener Energien berauben, die sie sinnbildlich und physiologisch ins Paradies befördern könnten, denn die Sexualität ist nicht dazu da, sich endlos sexuell zu befriedigen, sondern allein um Kinder zu zeugen. Aber welcher Sexsüchtige sieht das schon ein? In seiner Sexsucht kann er gar nicht anders als schwanzgesteuert seiner sexuellen Sucht zu frönen.

Es gibt allerdings auch eine vollkommen unsexuelle Erklärung: Der Fall des Menschen (1. Moses 3,22 EU)

Wie würdet ihr den Text interpretieren?

Mache dich nicht zum Sklaven deiner Sinne
Wenn Liebe tiefer geht, wird sie zum Gebet
Freiheit ist der einzige Weg zu Gott
Der Körper hat seine eigene Weisheit
Auf das Bewusstsein kommt es an

Mache dich nicht zum Sklaven deiner Sinne

Versuchungen sind verlockend, das steht außer Zweifel. Unsere Sinne sind auf die Außenwelt eingestellt, denn der Strom der Lebensenergie, fließt vom Gehirn durch die Nerven, zu den Augen und Ohren, zu Nase, Zunge und Haut. Und ebenso zu den Genitalien. Alle diese Sinnesempfindungen sind auf die Außenwelt gerichtet. Die Anziehungskraft der Sinne ist sehr stark, und ihnen zu verfallen, sehr gefährlich. Solange der Mensch nicht genug Weisheit besitzt, besteht die Gefahr, dass er in die Knechtschaft der Sinne gerät.

Es sind die Sinne die uns mitteilen, was gut schmeckt, sich gut anfühlt oder gut riecht. Aus dem Wunsch nach einer bestimmten Empfindung, nach einem Geruch, Geschmack, Gefühl oder Klang, wird schnell eine Gewohnheit oder gar eine Sucht. Leider sind die meisten Menschen aber noch nicht mit der Spiritualität und der Meditation in Berührung gekommen. Sie können daher keinen Vergleich zwischen den erregenden Sinnesfreuden und der unbekannten und unaussprechlichen Glückseligkeit der Seele ziehen.

Außerdem haben sie keine Gelegenheit zu solch einem Vergleich, ehe sie nicht allen sinnlichen Freuden entsagt und durch geistige Kraft von ihr befreit haben. Mann kann die Fallen nur dann vermeiden, wenn man dank seiner Vernunft oder seiner Erfahrung erkannt hat, daß es größere Freuden gibt als die nach außen gerichtete Sinnlichkeit.

Die verbotenen Früchte schmecken am Anfang süß, am Ende jedoch immer bitter. Und dennoch lernen die Menschen nicht aus ihrem Leid, sondern schaden sich immer wieder auf dieselbe Weise. Sobald man nämlich an einem bestimmten Sinneserlebnis Gefallen gefunden hat, setzt sich die Gewohnheit gleich einem Diktator im Gehirn fest und befiehlt uns, der Leidenschaft zu frönen, obwohl man sich selber dadurch schadet.

Ihr mögt euch noch so sehr vornehmen, eine bestimmte Handlung nicht zu wiederholen, ihr tut es dennoch, immer und immer wieder. Und ihr fühlt euch nicht gut dabei, weil ihr wißt, daß ihr einen hohen Preis dafür bezahlen müßt: eure Gesundheit, euer Glück, eure Zufriedenheit, eure Lebenslust und euer Wohlbefinden. Sobald das Verlangen nach einem bestimmten Sinnesreiz zur Gewohnheit wird, ist es höchste Zeit, davon abzulassen.

Krishna sprach: „Wer Selbstbeherrschung besitzt und seine Sinne zu zügeln weiß, wer beim Kontakt mit sinnlichen Genüßen frei von Zuneigung und Abneigung ist, erlangt einen Zustand unerschütterlicher innerer Ruhe.“ (Bhagavad Gita  2,64) Jedesmal wenn ihr meint, ohne eine bestimmte Sache nicht auskommen zu können, erinnert euch daran, daß ihr im Begriff seid, euch versklaven zu lassen, daß ihr das unendliche Reich Gottes nie erreichen könnt, solange ihr euch zu Gefangenen der Sinne macht.

Achtet darauf, daß euer inneres Glück durch nichts beeinträchtigt wird. Schädliche Gemütsregungen wie Zorn, Gier, Neid, Eifersucht, sexuelle Reize, Alkohol und Drogen sind außerordentlich hinderlich für euch, weil ihr dann die reine Freude der Seele nicht erleben könnt. Wenn ihr wirklich glücklich werden wollt, dürft ihr die Kraft der Sinne nicht missbrauchen. Haltet euch an folgenden Grundsatz: „Immer genährt, nimmer zufrieden! Nimmer genährt, immer zufrieden!“

Wenn Liebe tiefer geht, wird sie zum Gebet
Freiheit ist der einzige Weg zu Gott
Der Körper hat seine eigene Weisheit
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)

Wenn Liebe tiefer geht, wird sie zum Gebet

Wenn Liebe wirklich tiefer geht, dann wird sie zum Gebet. Dann ist ihre Beschaffenheit nicht sexuell. Dann ist ihre Beschaffenheit nicht sinnlich. Dann verliert sogar der Orgasmus seinen sexuellen Charakter und wird zum Gebet. Wenn Liebe zum Gebet wird, dann hast du ein Gefühl der Verehrung für den anderen, für alle Menschen, für die Natur, die Blumen, die Bäume, die Wolken und den Himmel. In Gegenwart des Anderen fühlst du etwas Göttliches, etwas Heiliges. Dein Geliebter wird zum Gott, dein Geliebte zur Göttin.

Man kann es schon gar nicht mehr „Liebe machen“ nennen... ich fühle mich mit dir ganz und gar in einem Tempel. Du bist gesegnet. Jetzt im Moment wird mir bewußt, was ich nie war, bevor ich dir begegnete. Je mehr die Liebe zum Gebet wird, desto mehr Bewusstsein wird kommen. Die Bewusstheit ist untrennbar mit der Liebe verbunden.

Wenn Bewusstheit kommt, dann kommt auch die Liebe. Wenn Liebe kommt, dann stellt sich auch Bewusstheit ein. Entweder du wächst in der Liebe oder du wächst in der Meditation. Das Ergebnis ist letzten Endes das gleiche. Beide gehen sie Hand in Hand. Du versuchst das eine und das andere kommt. Es kommt allein auf dich an: Wenn du mehr im Einklang mit der Liebe bist, dann ist Liebe dein Weg - der Weg der Hingabe, Bhakta. (1)
(1) Unter Bhakta (Bhakti) versteht man die Hingabe, die Liebe, zu Gott. Bhakti ist die höchste Liebe zu Gott, die den Menschen erfüllt und ihn zur Begierdelosigkeit führt. Um eine Vereinigung mit der Gott zu erfahren, konzentriert man sich allein auf Gott. Die Trennung von Gott wird als Schmerz erfahren. Im Hinduismus wird Samadhi [Erleuchtung] als Zustand angesehen, in dem man im Göttlichen aufgeht, während das individuellen Selbst sich auflöst.

yogavidya schreibt:

Bhakti verändert den Menschen in Göttlichkeit. Sie erfüllt den Gläubigen mit göttlicher Liebe. Sie gibt ihm ewige Befriedigung. Sie macht ihn vollkommen. Sie lenkt den Geist von Sinnesobjekten weg. Sie läßt ihn in Gott frohlocken. Emotionale Erregung ist nicht Hingabe an Gott. Hingabe ist reine Liebe. Fanatismus ist keine Hingabe. Fanatismus ist Wahnsinn. Fanatismus ist bloße Erregung. Bhakti ist nicht nur Emotionalität, sondern das Einstimmen auf das Göttliche. Bhakti ist höchste Liebe zu Gott.

Der gläubige Bhakti sollte in seinem Herzen allein das Bild seines Gottes haben. Die Hingabe zu Gott wächst, wenn man weltlichen Wünschen entsagt. Göttliche Liebe trägt kein Element des Wunsches in sich. Hingabe kann nicht neben irgendeiner Form von Wunsch bestehen, nicht einmal neben dem Wunsch nach Befreiung. Der gläubige Mensch will nur Gott allein und Ihm dienen. Der gläubige Mensch liebt Gott und dient Ihm und Seiner Schöpfung. Er bemüht sich nicht mehr bewußt um Befreiung (Erleuchtung). Aber Gott sendet dem, der an Ihn glaubt, unaufgefordert Befreiung.
Wie kann man Hingabe lernen?

Manche Menschen fragen: „Wie können wir Gott lieben, den wir nie gesehen haben?“ Lebe in der Gesellschaft von Heiligen. Höre die Lilas (Geschichten der Spiele) Gottes. Lies die heiligen Schriften. Verehre Ihn zuerst in Seinen verschiedenen Formen, die in der Welt (in der Natur) offenbar sind. Verehre jedes Bild von Gott oder dem Guru. Wiederhole Seinen Namen. Singe Seinen Ruhm. Besuche Ashrams (Yogazentren) und Tempel. So kannst du Liebe zu Gott entwickeln.
Alles muß getan werden, um das Gefühl von Bhakti zu erwecken. Baue einen Altar in Deinem Zimmer auf. Halte ihn sauber. Schmücke ihn mit Blumen, Pflanzen, Statuen, Bildern, Symbolen. Brenne Räucherwerk ab. Zünde eine Öl-Lampe an. Trage eine Rudrasksha- oder Tulsimala (Halskette). All das wirkt günstig auf den Geist und erhebt ihn. All das erzeugt Hingabe. Es hilft, das nötige Gefühl zu erzeugen, um die Gottheit, die verehrt werden soll, anzurufen. Der Geist wird sich dann leichter konzentrieren.
Die Praxis rechten Verhaltens, von Satsang (das Zusammensein mit Heiligen, Weisen und Erleuchteten), Japa (Wiederholung eines Mantras), Smarana (Erinnern an Gott), Kirtan (Mantra-Singen), Gebet, Gottesdienst und Rituale, der Dienst an Heiligen, der Aufenthalt an Wallfahrtsorten, der Dienst an Armen und Kranken mit göttlichem Bhava (Gefühl, Hingabe).

Die Einhaltung der Pflichten des täglichen Lebens, das Opfern aller Handlungen und deren Früchte an Gott, das Gefühl der Gegenwart Gottes in allen Wesen, das Verneigen vor dem Bild und von Heiligen, der Verzicht auf weltliche Freuden und weltlichen Reichtum, Wohltätigkeit, Mäßigung und Gelübde (Schweigen, Keuschheit), das Praktizieren von Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satyam (vegetarische Ernährung) und Brahmacharya (Keuschheit, Zölibat) - all das wird Dir helfen, Bhakti zu entwickeln. (2)

(2) Der Weg katholischer und buddhistischer Priester, Mönche und Nonnen ist im Prinzip ein bhaktischer Weg. Ihr Leben ist vollkommen auf Gott ausgerichtet (auch wenn im Bhuddhismus nicht von einem personalisierten Gott ausgegangen wird). Sie praktizieren alle das Zölibat, lesen in den Heiligen Schriften, nehmen an Wallfahrten teil, verzichten auf weltlichen Reichtum, praktizieren Gewaltlosigkeit (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst) und helfen den Armen und Kranken.

Der bhaktische Weg ist aber auch ein meditativer Weg. Das tausendfache Wiederholen eines Mantras oder Gebetes entspricht einer Mantra-Meditation. Ähnliches gilt für lithurgische Gesänge. Sie führen unweigerlich in einen meditativen Zustand, in dem man das Gefühl hat Gott nahe zu sein, womöglich auch mit ihm eins zu sein (Unio Mystica).

In der christlichen Spiritualität hat die christliche Meditation immer schon eine große Bedeutung. Das Jesusgebet, welches auch Herzensgebet oder immerwährendes Gebet genannt wird, ist ein besonders in der (byzantinisch-) orthodoxen Kirche weit verbreitetes Gebet, bei dem ununterbrochen der Name „Jesu Christi“ angerufen wird. Damit soll der Aufforderung „Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17) des Apostel Paulus genüge getan werden. Im Hesychasmus (griechischen Eremitentum) und anderen Meditationsformen der Ostkirchen nimmt dieses Gebet eine zentrale Stellung ein, ebenso in der Spiritualität der Karthäuser-Mönche (in Grenoble, Frankreich).

Entscheidend bei der Meditation ist die Konzentration. Dabei ist es egal, ob man sich auf die Atmung, auf das „Dritte Auge“ (Stirnchakra), auf ein Mantra oder Jesusgebet, auf die Körperschwere oder den Herzschlag, (Autogenes Training), auf ein Koan (Frage eines Zenmeisters), die Leere, das Nichts oder das Nicht-Denken im Zen-Buddhismus oder auf Gott, Jesus, Maria oder einen Heiligen konzentriert. „Den Weg zu studieren heißt sich selbst zu studieren, sich selbst zu studieren heißt sich selbst vergessen. Sich selbst zu vergessen bedeutet eins zu werden mit allen Existenzen.“

Bei all diesen meditativen Praktiken laufen im Gehirn dieselben physiologischen Prozesse ab. Es werden körpereigene Drogen aktiviert. Man greift aktiv in den Hormonhaushalt ein. Beherrscht man die Meditation perfekt, dann werden laufend körpereigene Drogen ausgeschüttet, die einen euphorischen bzw. ekstatischen Zustand hervorrufen, den manche als Glückseligkeit bzw. Samadhi oder Erleuchtung bezeichnen. Man hat das Gefühl eins mit Gott zu sein. Auch das Spielen eines Musikinstruments, das Malen eines Bildes, Stricken, das Lesen eines Buches, Tanzen oder Singen, das Zusammensein mit einem geliebten Menschen; in Prinzip kann jede Tätigkeit einen meditativen Charakter annehmen, kann zum Gebet werden.
Wenn du mehr im Einklang mit deiner Bewusstheit bist, dann gehe den Weg der Meditation und des Dhyana (das beständige Fließen, die permanente Konzentration, auf  einen Konzentrationspunkt). Das sind im Grunde die beiden einzigen Wege. Alle anderen Wege sind Kombinationen dieser beiden Wege. Wenn die Liebe wächst, wirst du dabei in jedem Augenblick bewusster. Je höher sie geht, desto tiefer wird deine Einsicht in die Dinge sein. Wenn ein bewusster Moment von Zeit zu Zeit kommt, wenn die Liebe nicht mehr Liebe ist, sondern zum Gebet wird, dann bist du in einem tantrischen Moment.

Mögen die tantrischen Augenblicke noch so selten sein und noch so klein, so sind sie doch kostbare Momente, kostbare Edelsteine, funkelnde Einblicke in das, was auf dich wartet. Behalte diese Momente einfach im Auge. Der eine Augenblick ereignet sich heute und der nächste vielleicht erst in einem Jahr. Mache dir deshalb keine Sorgen. Laß deine Augen sich von diesem auf den nächsten Moment richten. Bald wirst du nicht mehr so oft zurückfallen. Und schon bald wirst du überhaupt nicht mehr zurückfallen. Es gibt keinen Grund sich schuldig zu fühlen, wenn du zurückfällst. Es ist natürlich, akzeptiere es. Aber resigniere nicht. Beharrlichkeit führt zum Ziel.

Freiheit ist der einzige Weg zu Gott
Der Körper hat seine eigene Weisheit
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)

Freiheit ist der einzige Weg zu Gott

Dein Image ist sehr vieldeutig. Du weißt nicht genau, wer du bist und was du bist. Du bist eine Mischung von allem möglichen. Du hast noch keine Seele. Du hast noch keine Individualität, du hast noch kein kristallisiertes Zentrum. Du bist nur der Müllplatz für die Meinungen anderer Leute. Du trottest wie das Schaf in der Herde und passt dich deinen Mitmenschen an.

Deshalb hast du Angst. Wenn sich die Meinungen der anderen ändern, änderst du auch deine Meinung. Du glaubst, du hättest eine eigene Meinung, aber du bemerkst nicht einmal wie du von anderen manipuliert wirst. Du bist in ihrer Gewalt ohne es zu merken. Genau ist der Trick, mit dem die Gesellschaft seit jeher arbeitet.

Die Gesellschaft hat eine Methode: sie macht dich scharf auf gesellschaftliches Ansehen, auf gesellschaftlichen Ruhm und Anerkennung. Damit manipuliert sie dich. Wenn du die Spielregeln der Gesellschaft immer achtsam und gehorsam befolgst, dann achtet sie dich.

Wenn du die Spielregeln der Gesellschaft nicht befolgst, dann macht sie dich fertig, fügt dir schweren Schaden zu. Die Spielregeln der Gesellschaft zu befolgen heißt, deine eigene Meinung, deine Wünsche, deine Sehnsüchte zu unterdrücken, Sklave zu sein.

Die Gesellschaft zollt dir großen Respekt dafür, Sklave zu sein. Wenn du aber ein freier Mensch sein möchtest, wenn du deinem Unbehagen, deiner Unzufriedenheit Ausdruck verleihen möchtest, dann schäumt die Gesellschaft vor Wut, sie möchte nichts mehr mit dir zu tun haben. Sie stellt dich an den öffentlichen Pranger und versucht dich zu vernichten.

Ein wirklich freier Mensch zu sein ist sehr schwer. Ich sage euch aus eigener Erfahrung, es ist fast unmöglich, denn die Gesellschaft will keine freien Menschen. Der freie Mensch ist eine Gefahr für die Existenz der Gesellschaft, denn der freie Mensch hat keine Angst die Wahrheit zu sagen. Nichts fürchtet die Gesellschaft mehr als die Wahrheit.

Die Gesellschaft bevorzugt Menschen ohne eine eigene Meinung, Zombies, Roboter, Menschen, die auf Anhieb bereit sind im Gänsemarsch zu marschieren. Brülle nur laut genug „Stillgestanden“ und schon stehen sie stramm, rein mechanisch, die Hände an der Hosennaht. Sie haben keine eigenen Meinung, stellen keine Fragen, sie sind Nachäffer.

Die Gesellschaft belohnt sie reich. Sie zollt ihnen Respekt, sie gibt ihnen Preise, Titel, Ehrungen. Das ist der Trick. Und sie überträgt ihnen, wenn sie den Untertanengeist verinnerlicht haben, Verantwortung über andere Menschen. Freie Menschen haben von ihr keine Titel und keine Ehrungen zu erwarten. Wie könnte die Gesellschaft sie auch ehren, schließlich sind sie ihre Feinde.

In einer unfreien Gesellschaft ist der freie Mensch der Feind. In einer unmoralischen Gesellschaft ist der moralische Mensch der Feind. In einer religionsfeindlichen Gesellschaft ist der religiöse Mensch der Feind. In einer materiellen Gesellschaft ist der spirituelle Mensch der Feind. Der freie Mensch passt nirgendwo hin.

Damit du dich anpasst, gibt dir die Gesellschaft so viel wie du haben willst. Du kannst alles haben, was du möchtest, solange du dich an die vorgegebenen Spielregeln hälst. Sie gibt dir ein Ansehen, ein gutes Image, einen guten Ruf, sie stützt dich und sie beschüzt dich, wo sie kann.

Aber wenn du nicht auf sie hörst, überlegt sie es sich anders. Sie kann dich innerhalb kurzer Zeit vernichten. Dann verlierst du alles, deinen guten Ruf, dein Ansehen, deine finanzielle Basis, deine Existenz und am Ende noch dein Vermögen, dein Haus, deine Gesundheit, deine Freunde und deine Familie.

Freiheit ist schwer. Merke es dir, denn die Gesellschaft besteht aus Sklaven. Freiheit ist schwer, aber Freiheit ist die einzige Freude, die es gibt. Freiheit ist der einzige Tanz, den es gibt. Freiheit ist das einzige Tor zu Gott. Ein Sklave kann niemals zu Gott gelangen, niemals.

Der Körper hat seine eigene Weisheit
Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)

Der Körper hat seine eigene Weisheit

Fragen an Osho: Was für eine Altagsroutine oder Disziplin hat dein Sannyasin?

Du willst wissen, wie die Altagsroutine meines Sannyasins aussieht. Die Frage stammt nicht von meinem Sannyasin. Wie könnte irgendwer mein Sannyasin sein? Er oder sie wird einfach nur ein Sannyasin sein. Und wie sieht seine Altagsroutine oder sein Tagesablauf oder seine Disziplin aus? Würden wir einem Sannyasin eine rigide Altagsroutine aufzwingen, würde sie ihm zwangsläufig schaden, statt ihm gutzutun. Jemand fragte einen Zen-Weisen: „Wie sieht deine Altagsroutine aus?”

Der Weise erwiderte: „Wenn ich müde bin, schlafe ich, wenn ich aufwache, bin ich wach. Wenn ich hungrig bin, esse ich, und wenn ich nicht hungrig bin, esse ich nicht.“ Und recht hat er! Ein Sannyasin ist jemand, der sich nichts aufzwingt, der das Leben so nimmt, wie es ist, und ganz natürlich und spontan von Moment zu Moment lebt. Wir sind seltsame Leute: Wenn wir schlafen möchten, sträuben wir uns dagegen, und wenn wir nicht schlafen können, singen wir Mantras oder versuchen sonst irgendwie einzuschlafen. Wir essen, ohne Hunger zu haben, nur weil sich unsere Essenszeiten nach der Uhr zu richten haben. Auf die Art und Weise machen wir die innere Harmonie unseres Körpers kaputt. Und darum sind wir in einem sochen Schlamassel.

Ein Sannyasin lebt gemäß der Weisheit seines Körpers. Er geht ins Bett, wenn er müde ist, und wacht auf, wenn er ausgeschlafen hat. Er wird nicht zu dem Zeitpunkt aufwachen, den die Hindus brahmamuhurta, die Stunde Gottes nennen, eine Stunde vor Sonnenaufgang. Wann immer er die Augen aufschlägt, findet sein Brahmamuhurta statt. Er wird sagen, wenn Gott mich aufweckt, nenne ich das mein Brahmamuhurta.

Kurz, er lebt natürlich, ungezwungen, spontan. Das ist der Grund, warum ich euch keine Routine, keine Lebensdisziplin vorschreibe. Würde ich es nämlich tun, brächte ich euch nur in Schwierigkeiten, ich würde alles so festlegen, wie es mir in den Kram passt, und mein Leben ist halt nicht euer Leben. Mag sein, dass es mich selig macht, jeden Morgen um drei aufzuwachen, aber wenn ich das auch von euch verlange, richte ich damit eure Gesundheit zugrunde.

Jeder hat seine eigene, unverwechsebare Körperlichkeit, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Es heißt, moderne Frauen seien sehr faul, und weil sie zu lange schliefen, müssten ihnen ihre Männer den Morgentee machen. Aber so sollte es auch sein! Der innere Organismus der Frau ist dergestalt, dass ihre Körperuhr verglichen mit der des Mannes zwei Stunden nachgeht. Wenn ein Mann um fünf Uhr früh aufsteht, sollte eine Frau erst um sieben Uhr aufstehen.

Man hat in dieser Hinsicht viel geforscht – mit überraschenden Ergebnissen. Offenbar sinkt unsere Körpertemperatur alle vierundzwanzig Stunden zwei Stunden lang, und zwar gewöhnlich vor der Morgendämmerung. Vieleicht habt ihr ja schon bemerkt, dass ihr ungefähr gegen vier Uhr morgens meist etwas fröstelt. Das liegt daran, dass eure Körpertemperatur sinkt und nicht etwa an einem Wetterumschlag. Und wann genau die Körpertemperatur sinkt, ist von Person zu Person verschieden. Wenn das bei mir zwischen drei und fünf der Fall ist, mag es bei jemand anders zwischen fünf und sieben so sein. Und genau in diesen zwei Stunden niedriger Körpertemperatur versinkt man jeden Tag im Tiefschlaf.

In Amerika hat man während der letzten fünf Jahre den Schlaf von zehntausend Menschen genau untersucht, und es hat sich herausgestellt, dass diese Phase des Tiefschlafs bei jedem anders ist. Man kann also nicht kolektiv festlegen, wann alle zu Bett gehen und wieder aufstehen sollen. So muss also jeder selbst herausfinden, zu wechen Zeiten er am besten schlafen und sich ausruhen kann. Das Entscheidende ist, so gut zu schlafen, dass man den ganzen nächsten Tag wieder frisch und munter verbringen kann.

Selbst also die Dauer des eigenen Schlafs muss jeder selbst entscheiden. Wenn für den einen fünf Stunden Schlaf reichen mögen, braucht ein anderer vieleicht sieben Stunden Schlaf täglich. Und es gibt sogar welche, die unbeschadet mit drei Stunden Schlaf auskommen. Aber wer schon mit drei Stunden auskommt, kann sich für andere als gefährlich entpuppen. Er wird sich für besonders fromm halten und alle, die länger schlafen als er, als Faupelze und Nichtsnutze beschimpfen. Er wird ihnen predigen, dass man am besten um drei Uhr aufsteht, und wird alle, die sich nicht an diese Vorschrift halten, in die Hölle schicken. Hütet euch vor sochen Leuten!

Für dergleichen Dinge kann es keine unerschütterlichen Regeln für alle geben. Wir dürfen nicht festlegen, wie jeder sich anzuziehen hat, was er zu essen hat und von wann bis wann er zu schlafen hat. Man kann sich zwar ganz algemein darüber unterhalten, aber feste Regeln aufzustellen, das wäre unangemessen. Jeder muss sein Leben selber auf die Reihe kriegen, da hat ihm niemand dreinzureden. Und so viel Freiheit müsst ihr haben, dass ihr selber darüber entscheidet, wie ihr leben wollt. Andere mögen es nicht so halten, doch ein Sannyasin sollte es. Er sollte auf seiner Freiheit bestehen so zu sein, wie er ist, und so zu leben, dass es ihn froh und glücklich macht. Dabei muss er aber auch darauf achten, nicht so zu leben, dass er die Freiheit und das Glück anderer beeinträchtigt. Und dies genügt schon.

Ich wiederhole: Wir können uns gern ganz algemein darüber unterhalten, ob ein Sannyasin eine Altagsroutine und eine Disziplin braucht, aber hierzu strikte Regeln festlegen können wir nicht. Nehmt z.B. einen Zwangsraucher: Er hat die ganze Welt gegen sich, und doch raucht er weiter. Die Ärzte halten ihm vor, dass das Rauchen seine Gesundheit ruinieren wird, er aber sagt, er wisse das, aber er könne es nicht lassen.

Was ist mit ihm los? Fehlt ihm etwa etwas, das er unbedingt braucht und als Raucher bekommt? Eine mexikanische Feldstudie zum Thema Rauchen ergab seltsamerweise, dass Rauchsüchtige unter Nikotinmangel leiden, den sie durch Tabak, Tee und Kaffee beheben wollen. Dabei wird das Rauchen als etwas Unmoralisches verdammt. Aber was soll daran unmoralisch sein, Rauch ein– und auszuatmen?

Das ist zwar sinnlos, aber doch nicht unmoralisch! Er schädigt damit doch lediglich sich selber. Rauchen ist eine unschudige Dummheit und weiter nichts. Vieleicht braucht er das; vieleicht fehlt ihm etwas, das er durchs Rauchen befriedigt. Dann sollte er besser herausfinden und erkennen, was sein Problem ist. Unsere Kenntnis des menschlichen Körpers ist sehr beschränkt. Sie ist trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte in der Medizin beschränkt. Wir haben den Körper mit seinen Bedürfnissen und Problemen längst noch nicht gründlich verstanden.

Und weil das so ist, muss der Körper mit seinen Problemen selber fertigwerden. Wenn ihm Nikotin fehlt, fängt man an zu rauchen. Und wenn man erst einmal anfängt zu rauchen, ist man hilflos den Klauen der Gewohnheit ausgeliefert. Die meisten rauchen ja nicht aufgrund von Nikotinmangel, viemehr verfallen neun von zehn Betroffenen dem Rauchen aufgrund von Nachahmung. Und kaum rauchen sie automatisch, werden sie zu Sklaven einer Gewohnheit.

Jedenfalls darf keine Routine, keine Disziplin von außen aufgezwungen werden. Sannyasins einen algemeinen Verhaltens-Code vorzuschreiben, also wann sie aufzustehen und wann sie zu essen haben, ist weder möglich noch wünschenswert. Freilich kann man ein paar algemeine Empfehlungen aussprechen. Das Wesentliche aber ist, dass ein Sannyasin alles, was er tut, mit Bewusstheit tut, dass er bei all seinem Tun und Lassen sein eigenes Wohl und das Wohl anderer im Auge behält. Und was immer er auch tut – richtig ist es dann, wenn es seine Gesundheit, seinen Frieden und sein Glück fördert. Und wenn es andererseits seiner Gesundheit und seinem Glück schadet, sollte er die Finger davon lassen.

Was das Essen betrifft, sollte er auf eine frische, leichte und gesunde Kost achten; er sollte beim Essen unnötige Gewalt vermeiden; er sollte nichts essen, was durch die Schlachtung oder Verstümmelung von Lebewesen hergestellt wird. Kurz, Gesundheit sollte bei der Auswahl der Lebensmittel den Ausschlag geben. Noch etwas Wichtiges bezüglich Ernährung: Man muss lernen, einen Sinn dafür zu entwickeln, wie das Essen schmeckt. Und da kommt es mehr auf die Kunst zu essen an als auf die Speise selbst. Auf der Grundlage dieser ungefähren Hinweise zur Ernährung sollte man sich sein Menü je nach eigenem Geschmack entwerfen.

Andere können dir keine Disziplin vorschreiben, das ist einfach absurd. Tatsächlich ist jeder der Baumeister seines eigenen Schicksals. Wer sich in Sannyas einweihen lässt, erklärt damit, dass er selber über sein Leben zu entscheiden wünscht, dass er das Recht hat, selber das Steuer in die Hand zu nehmen. Man mag einwenden, dass ein Sannyasin Gefahr laufe sich zu irren, wenn er seine eigenen Entscheidungen trifft.

Soll er sich irren … er wird für seine Fehler büßen. Aber was geht dich das an? Wenn er alles richtig macht, wird er froh sein, und wenn er alles falsch macht, wird er leiden. Es gehört sich nicht, in das, was andere tun und warum sie es tun, seine Nase zu stecken. Ja, es ist geradezu unmoralisch, sich in das Leben eines anderen einzumischen. Was fällt dir ein, dich ihm in den Weg zu stellen? Man darf sich einem anderen nur dann in den Weg stellen, wenn seine Fehler anfangen anderen zu schaden; andernfalls muss man ihn in Ruhe lassen. Mag er Fehler machen, und aus seinen Fehlern lernen!

Auf das Bewusstsein kommt es an
Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit

Auf das Bewusstsein kommt es an

Fragen an Osho: Wenn ich im Westen arbeite, komme ich mir wie ein Krieger in Orange vor, und das gefällt mir. Wenn ich hier bin, werde ich meditativ, und das gefällt mir. Das wirft die Frage auf, ob der Teil von mir, der das Kämpfen noch nötig hat, mich daran hindert, ein guter Sannyasin zu werden?

Ein Sannyasin darf sich nicht festlegen, er muss beweglich und immer in Fluss bleiben. Er darf nicht starr wie ein Stein sein. Er muss wie fließendes Wasser sein, das sich jeder Form anpassen kann. Er geht immer nur auf das ein, was der Augenblick erfordert; er richtet sich nach keinem festen Schema, nach keiner a priori Vorstellung, wie ein Sannyasin zu sein habe. In meiner Vision von Sannyas kommt dergleichen nicht vor!!!!!!!

Fragt mich bitte nie, was einen Sannyasin ausmacht, denn sonst macht ihr ein Muster daraus, nach dem ihr euch richtet. Und alles Tun, das auf ein musterhaftes Leben zurückgeht, ist verkehrt. Man muss immer locker und entspannt bleiben, um auf die jeweilige Situation eingehen zu können. Und die Situation ändert sich ständig: Im Westen ist es so, hier ist es anders.

Wenn du also ein Krieger sein musst, sei ein Krieger; und wenn du meditativ sein musst, sei meditativ. Wenn du extrovertiert sein musst, sei extrovertiert; und wenn du introvertiert sein musst, sei introvertiert. Diese Geschmeidigkeit ist Sannyas. Wenn du dich festlegst, bist du nicht mehr lebendig, sondern besessen. Dann bist du entweder extro– oder introvertiert, weltlich oder unweltlich, aber dann bist du nicht mehr mein Sannyasin.

Mein Sannyasin lässt sich nicht beschreiben, ist so unbeschreiblich wie Gott selbst, wie das Leben selbst, wie die Liebe selbst, so unbeschreiblich wie die Existenz selber. Ein Sannyasin ist total mit dem Augenblick in Einklang, lässt sich vom Fluss tragen. Er schwimmt nicht gegen den Strom, er hat keine Vorstellung davon, wie alles zu sein habe. Er hat kein „sollte“; will von Geboten, die erfüllt, befolgt werden müssen, nichts wissen.

Dies nenne ich wahre Disziplin: eine Disziplin, die zur Freiheit führt, die befreit.

Osho, warum gibst du deinen Schülern keine Vorschriften, wie sie sich zu verhalten haben? Ist für ein spirituelles Leben nicht ein moralischer Charakter erforderlich?

Mir geht es einzig und allein darum euch ein Bewusstsein zu geben, keinen Charakter. Auf das Bewusstsein kommt es an, ein Charakter ist immer nur Bluff. Einen Charakter brauchen nur die, die kein Bewusstsein haben. Wer Augen hat, braucht keinen Spazierstock, um sich zurechtzufinden, um sich durchzutasten. Wer sehen kann, braucht nicht zu fragen: „Wo ist die Tür?“ Die Leute benötigen einen Charakter, weil sie unbewusst sind. Ein Charakter ist nur ein Schmiermittel: er hilft dir, aalglatt durchs Leben zu kommen..

George Gurdjieff hat immer gesagt: Ein Charakter ähnelt den Puffern an der Eisenbahn. Zwischen zwei Waggons befinden sich Puffer. Wenn etwas passiert, werden sie so nicht ineinander geschoben. Die Puffer mildern Zusammenstöße, bzw. sind wie Federn: Autos werden gefedert, damit man bequem fahren kann, sogar auf indischen Straßen! Diese Federungen fangen die Stöße auf, daher nennt man sie auch Stoßdämpfer.

Genau das ist ein Charakter, ein Stoßdämpfer. Den Leuten wird eingetrichtert demütig zu sein. Wer lernt, sich demütig zu geben, hat damit einen Stoßdämpfer. Wer sich der Demut befleißigt, kann sich vor den Egos der anderen schützen: Ein demütiger Mann wird schonender behandelt. Wer egoistisch ist, wird immer wieder verletzt werden. Das Ego ist hochempfindlich, also legt man ihm ein Mäntelchen der Demut um. Das hilft, das verleiht dir eine gewisse Glätte, aber es transformiert dich nicht.

Meine Arbeit besteht aus Transformation. Dies ist eine alchemistische Schule: Ich möchte eure Unbewusstheit in Bewusstheit umwandeln, Licht in die Finsternis bringen. Ich kann euch keinen Charakter verpassen. Ich kann euch nur Erkenntnis, Bewusstheit vermitteln. Ich möchte euch beibringen, von Augenblick zu Augenblick zu leben, nicht nach einem vorgegebenen Muster, egal ob es von mir oder der Gesellschaft oder Kirche oder Staat vorgegeben ist. Ich möchte, dass ihr euch von eurem eigenen kleinen Bewusstseinslicht leiten lasst, je nach euren eigenen Möglichkeiten. Geht auf jeden einzelnen Augenblick ein.

Wer Charakter hat, besitzt für jede Lebensfrage eine vorgefertigte Antwort, also braucht er je nach Situation nur die passende Antwort von seiner Festplatte abzurufen. Da sie vorgefertigt ist, bleibt sie ohne eigenen Input, geht also nicht auf die Situation ein, sondern ist nur eine Reaktion. Wer Charakter hat, reagiert, wer Bewusstsein hat, antwortet: Er erfasst die Situation, macht sich klar, was wirklich los ist, und aus dieser Reflexion heraus handelt er. Wer Charakter hat, reagiert, wer Bewusstsein hat, agiert. Wer Charakter hat, ist automatisch, er funktioniert roboterhaft, er hat einen Computer voller Informationen im Kopf: Egal was du fragst, sein Computer spuckt die vorgefertigte Antwort aus.

Wer Bewusstsein hat, handelt nur aus dem Augenblick heraus, weder aus der Vergangenheit noch aus dem Gedächtnis. Sein Antworten hat etwas Schönes, etwas Natürliches und es entspricht wahrheitsgemäß der Situation. Wer aus seinem Charakter heraus handelt, liegt falsch, denn das Leben verändert sich ständig, es ist niemals wie zuvor. Eure Antworten aber sind vorfabriziert, immer gleich, wachsen nie mit, wie denn auch: Sie sind tot.

Man hat dir als Kind etwas eingeschärft; es ist immer noch da. Du bist zwar gewachsen, das Leben hat sich verändert, aber die Antwort, die dir deine Eltern oder Lehrer oder Priester eingeschärft haben, ist immer noch da. Und wenn etwas passiert, greifst du auf diese fünfzig Jahre alte Antwort zurück. Und in fünfzig Jahren ist so viel Wasser den Ganges hinunter geflossen … das Leben hat sich völlig verändert!

Heraklit sagt: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“ Ich aber sage euch: Man kann noch nicht mal einmal in denselben Fluss steigen, dafür fließt er zu schnell.

Charakter ist ein stehendes Gewässer: Er ist ein verschmutzter Teich. Bewusstsein ist ein Fluss.

Darum schreibe ich meinen Leuten keinerlei Verhaltens-Code vor. Ich verhelfe ihnen zu Augen, die sehen können, einem Bewusstsein wie ein Spiegel, der nicht trügt, einem Wesen, das auf jede sich ergebende Situation einzugehen vermag. Ich gebe ihnen keine detaillierten Anweisungen, was sie zu tun und zu lassen haben. Sie bekommen von mir keine Zehn Gebote, und wenn man erst damit anfängt, ihnen Gebote zu geben, sind zehn nicht annähernd genug, denn dafür ist das Leben viel zu kompliziert.

Im buddhistischen Schrifttum finden sich dreiunddreißigtausend Regeln für einen buddhistischen Mönch. 33.000 Regeln! Da wird für jede auch nur erdenkliche Situation eine vorgefertigte Antwort geliefert. Aber wie soll man sich 33.000 Verhaltensregeln merken? Wer schlau genug ist, sich 33.000 Verhaltensregeln zu merken, wird auch schlau genug sein, dafür immer ein Schlupfloch zu finden: Wenn er keine Lust hat, etwas Bestimmtes zu tun, wird er einen Ausweg finden. Wenn er etwas ganz Bestimmtes tun möchte, wird er einen Ausweg finden.

Ich habe von einem christlichen Heiligen gehört … Jemand schlug ihm ins Gesicht, weil er am selben Tag in seiner Morgenpredigt Jesus mit den Worten zitiert hatte: „Wenn jemand dir eine Backpfeife gibt, dann halte ihm auch die andere Wange hin.“ Und ein Mann wollte das mal ausprobieren. Also schlug er ihn, gab ihm wirklich hart eins auf die Wange. Und der Heilige war echt und stand zu seinem Wort … tatsächlich hielt er auch seine andere Wange hin.

Aber der Mann nutzte die Gelegenheit und gab ihm eine noch saftigere Ohrfeige auf die andere Wange. Da wurde er überrascht: Der Heilige sprang ihm an die Gurgel und verprügelte ihn nach Strich und Faden. Erschrocken rief der Mann: „Was soll das? Du bist doch ein Heiliger, und noch heute Morgen hast du gesagt: Wenn jemand dir eine Backpfeife gibt, reiche ihm auch die andere Wange hin.„

Dieser erwiderte: „Ja, aber ich habe keine dritte Wange. Und darüber sagt Jesus nichts, Jetzt bin ich frei, jetzt kann ich machen, was ich will. Jesus hat hierfür jedenfalls keine weiteren Anweisungen gegeben.„

Dasselbe ist auch Jesus schon zu Lebenszeiten passiert. Einmal ermahnte er einen Jünger: „Verzeih sieben Mal.“ Der Jünger sagte: „Okay,“ doch auf eine Art, dass Jesus Verdacht schöpfte und sagte: „Nein, besser siebenundsiebzig Mal!„

Der Jünger war etwas verstört, doch er sagte: „Okay, schließlich kann man nach siebenundsiebzig noch weiterzählen: Was ist mit achtundsiebzig? Dann bin ich frei, dann kann ich tun, was ich will!“

Meditation ist Medizin
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit
Die 10 Gebote zum Glück - „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

Meditation ist Medizin

Intelligenz ist Meditation. Intelligent zu leben heißt meditativ zu leben. Diese Definition ist von immenser Wichtigkeit, sie birgt eine enorme Tragweite. Intelligent zu leben, genau das ist Meditation. Damit ist gesagt, daß Meditation sich nicht machen läßt; du brauchst nur Intelligenz auf dein Leben richten. (1)
(1) Der Punkt ist nur der, daß wir nicht intelligent auf unser Leben schauen, und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen, vielen Jahren nicht. Da wir es verlernt haben, intelligent zu leben, ist auch unser Leben nicht meditativ. Und weil unser Leben nicht meditativ ist, sind wir an Leib und Seele (psychosomatisch) erkrankt. Um sich von dieser Erkrankung zu befreien, sollten wir beides tun. Wir sollten meditieren und lernen intelligent zu leben.

Ich stimme nicht damit überein, daß Meditation sich nicht machen läßt. Ich würde dabei zwischen der Meditation als komtemplative Entspannungsmethode und einem meditativen Leben unterscheiden. Letzteres und vielleicht auch ersteres müssen wir vielleicht noch lernen. Tägliche Meditation wird uns helfen auch das Leben meditativ zu gestalten.
Gestern warst du wütend, vorgestern warst du wütend. Nun stehst du wieder vor der gleichen Situation und gleich wirst du wieder wütend werden. Was machst du dann? Wiederholst du dich, unintelligent, mechanisch? Oder richtest du deine Intelligenz darauf? Du warst schon tausendmal wütend, kannst du nicht etwas daraus lernen? Kannst du dich nicht dieses Mal intelligent verhalten? Kannst du nicht sehen, wie nutzlos deine Wut ist? Kannst du nicht sehen, daß es dir jedesmal nur Frust eingebracht hat? Jedesmal war deine Wut reine Energieverschwendung, aber letztlich hat sich nichts geändert. (2)
(2) Ich glaube nicht, daß die Intelligenz hilft, die Wut zu beseitigen. Jedenfalls funktioniert das nicht bei mir. Ich kann die Wut zwar unterdrücken und sie äußerlich nicht zeigen, trotzdem tobt die Wut weiter in mir. An der Ursache meiner Wut hat sich nichts verändert. Ich erspare mir villeicht einige Unannehmlichkeiten, denn wer weiß, was man in seiner Wut so alles sagt und tut, aber ich fürchte, der nächste Wutanfall ist dafür doppelt so schlimm.

Wut läßt sich nur sehr langfristig beseitigen. Der spirituelle Weg ist meines Wissens der einzige Weg, der in der Lage ist, die Wut zu beseitigen. Selbst der therapeutische Weg allein ist dazu wahrscheinlich nicht in der Lage. Wut ist Ausdruck einer psychosomatischen Erkrankung. Wut ist ein Ausdruck unbewältigter Angst. Erst wenn man psychosomatisch genesen ist, klingt auch die Wut ab. Sie bricht nicht mehr aus uns heraus, weil der spirituelle Weg einer bioenergetischen Genesung (Heilung) entspricht.

Wut resultiert meiner Meinung nach aus einer tiefsitzenden emotionalen Verletzung oder aus einem Trauma, welchen man irgendwann einmal in seinem Leben erfahren hat. Diese Erfahrung speichert sich im Gehirn. Jedesmal wenn man in eine als bedrohlich empfundene Situation gerät, schüttet der Körper Hormone aus, um der Bedrohung zu begegnen.

Die häufigste Form der Wut resultiert aber nicht aus einem Trauma, sondern aus einem sexuellen Suchtverhalten, welches tief in unsere Physiologie eingreift und zu psychosomatischen Erkrankungen führt, die sich nur sehr schwer therapieren lassen. Einmal sexsüchtig - immer sexsüchtig. So ist es jedenfalls bei den meisten Männern. Was ich damit meine, möchte ich einmal mit den Worten eines buddhistischen Möches zu erklären versuchen.

Buddha lehrte, solange der Mensch sexuell aktiv ist, hat er kein Interesse an der Praxis des spirituellen Lebens. In seiner Lehre über die schrittweise Erleuchtung sagte er, dass das Empfinden von Lust und Sexualität Genuss beinhaltet. Er verleugnete den Genuss nicht. Genuss ist dabei. Aber dann verändert sich dieses Vergnügen in Missvergnügen, und allmählich, langsam, sobald sich das anfängliche Feuer der Lust abgenutzt hat, beginnen die Menschen zu kämpfen.

Denn aus Lust erwächst Furcht; aus Lust erwächst Habgier; aus Lust erwachsen Eifersucht, Zorn, Hass, Verwirrung und Kampf; all diese negativen Dinge erwachsen aus der Lust. Und deshalb sind all diese negativen Dinge in der Lust enthalten. Solange man in der Sexualität verstrickt ist, ist es unvermeidlich, dass man diese Probleme hast - Kampf, Enttäuschung, Zorn, Hass, Töten - all das ist damit verbunden. (Jesus lehrte übrigens im Prinzip dasselbe.)
Wenn du das erkennst, dann bedeutet diese Erkenntnis Intelligenz. Wenn dich dann jemand beleidigt, gibt es keine Wut mehr. Tatsächlich wirst du mit diesem Menschen statt Wut Mitleid empfinden. Er ist wütend, er ist verletzt, er leidet, nur darum schreit er dir seine Wut entgegen, und du empfindest Mitleid mit ihm. Das ist Intelligenz, Meditation: in sein eigenes Leben hineinschauen, aus Erfahrung lernen, aus existentiellen Erfahrungen lernen, immer mehr lernen. (3)
(3) Es gibt tatsächlich einen Zustand, an dem man keine Wut mehr empfindet. Sie hat sich vollkommen aufgelöst. Das ist ein wunderbarer Zustand, weil man für keine emotionale Verletzung mehr empfänglich ist. Der andere schäumt vor Wut, aber es berührt dich nicht. Und dann geschieht genau das, was oben gesagt wurde. Man befindet sich in der Rolle eines neutralen Beobachters, der sieht, wie wütend der andere ist.

Man beobachtet es einfach ohne zu werten. Das Werten beruht immer auf eigene Empfindlichkeit, auf eigene Verletztlichkeit. Ist diese aber nicht vorhanden, dann gibt es keine emotionale Verletzung und demzufolge auch keine Gegenreaktion. Man bleibt ruhig, gelassen und entspannt und sieht wie der andere leidet. Man ist sogar in der Lage lachend auf den anderen zuzugehen, ihn in den Arm zu nehmen und ihn zu trösten. Und im Nu ist seine Wut verflogen.
Intelligenz ist ein unveräußerlicher Teil des Lebens, eine natürliche Eigenschaft des Lebens. So wie das Feuer heiß ist, die Luft unsichtbar und das Wasser bergab fließt, so ist das Leben intelligent.

Intelligenz ist keine Errungenschaft; du wirst bereits intelligent geboren. Bäume sind auf ihre eigene Art intelligent. Sie haben genügend Intelligenz ihr eigenes Leben zu meistern. Vögel sind intelligent. Alle Tiere sind intelligent. Was die Religionen „Gott“ nennen, ist genau dies: dass das Universum intelligent ist, daß in allem Intelligenz verborgen ist. Und wenn du genau hinschaust, kannst du sie überall erkennen. (4)
(4) Ich würde sagen, nicht alle Kinder werden intelligent geboren. Die Erbanlagen (Gene) der Eltern spielen schon eine große Rolle. Und auch nicht alle Tiere sind intelligent. Wenn ich Fliegen beobachte, die es nicht schaffen, sich aus einem Treppenhaus zu befreien, obwohl die Fenster „auf Kipp“ stehen, und später tot auf der Fensterbank liegen, dann erscheint mir dies nicht besonders intelligent zu sein.
Leben ist Intelligenz. Nur der Mensch ist unintelligent geworden. Der Mensch hat den natürlichen Lauf der Dinge verlassen. Nur der Mensch ist dumm. Hast du jemals einen Vogel gesehen, den man dumm nennen könnte? Hast du jemals ein Tier gesehen, daß man idiotisch nennen könnte? Nein, das passiert nur dem Menschen. Etwas ist schiefgelaufen. Die Intelligenz des Menschen ist beschädigt, verdorben, verkrüppelt worden. (5)
(5) Das Problem besteht darin, daß der Mensch sich durch die sogenannte Zivilisation aus dem natürlichen Kreislauf des Lebens entfernt hat. Das hat zwar viele Vorteile, weil ihm die Zivilisation eine gewisse Sicherheit verliehen hat, aber gleichzeitig verlor er das an die Natur angepasste Leben. Er lebte nicht mehr mit der Natur in Einklang. Diese Gefahr ist bei wild lebenden Tieren natürlich nicht vorhanden. Sie vertrauen auf ihre Instinkte.
Meditation bedeutet nichts anderes, als diesen Schaden wieder rückgängig zu machen. Meditation wäre überhaupt nicht notwendig, wenn man den Menschen in Ruhe ließe. Wenn die Priester und Politiker die Intelligenz des Menschen respektieren würden, gäbe es keinen Grund zu meditieren. Meditation ist Arznei. (6)
(6) Ich habe nicht das Gefühl, daß die Menschen besonders intelligent sind. Ich habe eher das Gefühl, daß durch die Zivilisation, durch den Luxus, den Wohlstand, in dem wir heute leben, die Intelligenz ziemlich auf der Strecke geblieben ist. Der Wohlstand und die relativ lange Friedenszeit in der wir heute leben, hat die Menschen unvorsichtig, übermütig, verantwortungslos und egoistisch werden lassen. Sie haben die Antennen, den Instinkt für Gefahren, der bei allen wild lebenden Tieren vorhanden ist, verloren.

Ich glaube auch nicht, daß die Politiker und Priester dafür verantwortlich sind, daß die Menschen heute oft so unintelligent sind. Egal, wer für unsere Dummheit verantwortlich ist, nur wir selber können sie beseitigen.
Erst wird die Krankheit künstlich erzeugt, dann braucht man Meditation. Wo es keine Krankheit gibt, braucht man auch keine Meditation. Es ist kein Zufall, daß die Worte „Medizin“ und „Meditation“ dieselbe Wurzel haben. Meditation ist Medizin. (7)
(7) Die Krankheit wird nicht künstlich erzeugt, dafür sind auch nicht die Politiker und Priester verantwortlich, sondern meistens wir selber. Wir selber sorgen für die Unvernunft. Wir selber können beim Essen, beim Alkohol, bei Drogen und Tabletten kein Maß halten. Wir selber rennen pausenlos dem Sex hinterher. Wir sind ganz allein für unser Leid, für unser Unglücklichsein verantwortlich. Und nur wir selber können uns davon befreien.
Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Strahlen der Konzentration und Meditation (2)
Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit
Die 10 Gebote zum Glück - „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Mache aus der Liebe ein Fest

Strahlen der Konzentration und Meditation (2)

14. Konzentriere Dich. Meditiere. Entwickle die Macht des tiefen Denkens und des konzentrierten Denkens. Viele undeutliche Punkte werden klar. Du wirst Deine Antworten und Lösungen von innen heraus bekommen.

15. Sprich zu Deinem Verstand: „Oh, Verstand, warum rennst Du hinter falschen, wertlosen und sterblichen Objekten her? Schau auf Gott Krishna, den Wundervollsten unter den Wundervollen. Dann erhältst Du ewige Freude.“

16. Wenn die Gedanken, die nach außen streben, zurückgehalten werden, und auf das Innere des Herzens beschränkt bleiben, wenn die ganze Aufmerksamkeit nur auf sich Selbst gerichtet ist, dann ist die Bedingung des „Antarmukha-Vritti“ (der auf das eigene Selbst gerichtete Gedanke) erfüllt. (1)
(1) Mir persönlich gefällt die Konzentration auf das Stirnchakra oder auf das Nabelzentrum (Solarplexus) sehr gut. Ich mag es aber auch durch den eigenen Körpern zu wandern, bzw. in den eigenen Körper hineinzufühlen. Es ist sehr angenehm die eigenen feinen Energieströme zu fühlen.
17. Wenn Du fest davon überzeugt bist, daß die Welt unwirklich ist, dann werden Hindernisse durch Namen und Formen und Gedankenoffenbarungen langsam verschwinden. (2)
(2) Die Überlegungen, daß die Welt unwirklich ist, spielen in der indischen Vedante-Philosophie eine Rolle. Für mich haben sie aber keinerlei Bedeutung. Ich bin mit dem, so wie ich die Welt wahrnehme vollkommen zufrieden. Mein Problem ist ein anderes: ich leide und ich bin über dieses oder jenes unglücklich und möchte dieses Leid beenden. Oder noch besser, ich möchte in jeder Sekunde meines Leben total glücklich und zufrieden sein und überschäumen vor Freude. Mir ist bewusst, daß ich ganz allein für mein Unglück verantwortlich bin und dass nur ich selber mich von diesem Leid befreien kann. Ob die Welt wirklich oder unwirklich ist, ist mir ziemlich egal. Ebenso, was nach dem Tod kommt.
18. Der Verstand wird mit einem Affen verglichen, der von einem Gegenstand zum anderen springt.

19. Stelle ein Bild von Jesus Christus vor Dir auf. Konzentriere Dich sanft mit offenen Augen auf das Bild, bis Tränen über Deine Wangen herunterlaufen. Denke an Seine Tugenden, wie Liebe, Großmut, Barmherzigkeit und Güte. (3)
(3) Ich finde, dies ist eine wunderbare Form der Meditation. Wenn dabei vor Freude oder aus Kummer Tränen fließen, dann ist das total in Ordnung. Ich finde es auch wunderbar, dabei das Jesusgebet zu sprechen. Manche benutzen dabei auch eine Gebetskette.

Für das Jesusgebet gibt es keinen einheitlichen Gebetstext. Normalerweise wird der Name Jesu angerufen. Mögliche Formulierungen sind: „Herr Jesus Christus“, „Jesus Christus“, „Jesus“, „Christus“, „Christus Jesus“. Weitere Vorschläge siehe hier. Sicherlich habt ihr bereits bemerkt, daß das Jesusgebet einer indischen Mantrameditation entspricht, die den Betenden in tiefe Meditation versetzen kann.
20. Ringe nicht während der Konzentration mit Deinen Gedanken. (4)
(4) Wenn du bemerkst, daß die Gedanken abschweifen, dann konzentriere dich wieder auf den ideellen (z.B. Jesusgebet) oder materiellen (z.B. Jesusbild) Konzentrationsgegenstand.
21. Dein Verstand wird niemals zufriedengestellt werden, welche Vergnügen Du ihm auch bereiten magst. Je mehr sich Dein Verstand der Vergnügen erfreut, desto mehr wünscht er sich. (5)
(5) Überlege einmal, wie oft dir erotische Gedanken durch den Kopf gehen. Um alle erotischen Phantasien auszuleben, müßtest du unendlich viele Leben leben. Versuche nicht so oft daran zu denken. Das verschafft dir mehr innere Ruhe. Wirklich zufrieden wirst du erst dann, wenn alle erotischen Fantasien verschwunden sind, wenn deine Konzentration sich nicht mehr nach außen richtet, sondern wenn sie nach innen geht und du deine sexuellen Energien in spirituelle Energien umwandelst. Wenn der Sex aus deinen Gedanken verschwunden ist, dann beginnst du zu beten, dann wirst du religiös.

Das ist kein leichter Weg, ich geb's zu. Aber dies allein ist der Weg zum Nirvana, zur Erleuchtung. Es bedeutet Seligkeit pur und ist tausendmal schöner als alle sexuellen Erlebnisse, die du dir erträumst. Orgasmen sind zwar sehr schön, aber auch nur sehr kurz. Erleuchtung dagegen bedeutet ein permanentes ekstatische Glücksgefühl zu erleben. Warum sich also mit einem kurzen Orgasmus zufrieden zu geben, wenn dir das Paradies zu Füßen liegt? Wer aber hat schon den Mut, das einzusehen? Mehr oder weniger sind wir alle Sklaven unserer Triebe.
22. Wenn Du gelernt hast, mit Deinem Verstand umzugehen, dann wirst Du die ganze Natur unter Kontrolle bekommen. (6)
(6) Wenn du gelernt hast, deine Sinne zu kontrollieren, dann wachsen in dir Fähigkeiten, die du nie vermutet hättest. Dann fühlst du dich eins mit allem. Dann hast du das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein, eins mit Gott zu sein.
23. Wenn Du nicht in der Lage bist, ein metaphysisches, wissenschaftliches oder philosophisches Problem zu lösen, dann bitte Dein Unterbewußtsein voller Vertrauen und Überzeugung, diese kleine Aufgabe für Dich zu erledigen. Du kannst sicher sein, die richtige Lösung durch Es (Gott) zu erhalten.

Strahlen der Konzentration und Meditation (1)
Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit
Die 10 Gebote zum Glück - „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Mache aus der Liebe ein Fest
Entsagung ist das wirksamste Mittel, um Gott zu finden

Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit

Der Geist, der Intellekt,
mitsamt seinem gestalteten Inhalt, sind Es (Gott).
Ebenso die Welt und alles,
was sich davon scheinbar unterscheidet.
Alle spürbaren Dinge, mitsamt dem, der wahrnimmt,
ebenfalls Stumpfheit, Ablehnung,
Wunsch und Erleuchtung (sind Es).


Wenn du einen Zustand der Stille erreichst, indem der Beobachter und das Beobachtete verschwunden sind, dann wirst du verstehen, was dieses Sutra (Gedicht) bedeutet: Der Geist, der Intellekt, mitsamt seinem gestalteten Inhalt sind Es. Die Existenz ist eins. Alles ist eine Einheit. Es gibt keine Dualität in der Existenz, sie ist eins, sie ist ein Ozean.

Alle Trennungen existieren nur deshalb, weil wir innerlich gespalten sind. Unsere innere Zerissenheit wird nach außen projiziert und alles scheint voneinander getrennt zu sein. Wenn der Körper rein, die Sinne offen und der Verstand still ist, dann verschwinden die inneren Trennungen, in uns ist reine Leere (Göttlichkeit, Seligkeit). Wenn in dir reine Leere ist, kannst du erkennen, daß außen dieselbe reine Leere existiert. Der Himmel ist innen wie außen derselbe. Tatsächlich gibt es gar kein „außen“ und kein „innen“ mehr, alles ist eins.

Der Geist, der Intellekt, mitsamt seinem
gestalteten Inhalt sind Es.

Jetzt erkennst du, daß selbst Gedanken keine Feinde waren, selbst Wünsche keine Feinde waren. Auch sie sind Formen derselben Göttlichkeit, derselben einen Existenz. Jetzt erkennst du, daß Nirvana und Samsara (Nirvana: Erlösung vom Leid (Erleuchtung), Samsara: der Kreislauf der Wiedergeburten) nicht zweierlei sind.

Du lachst und lachst, bis dir die Tränen kommen: darüber, daß es keinen Unterschied zwischen Knechtschaft und Erleuchtung gibt, darüber, daß Wissen und Nichtwissen das gleiche ist, darüber, daß zwischen Buddha und einem Menschen, der noch nicht erleuchtet ist, kein Unterschied besteht, denn da läßt sich nichts unterscheiden. [1]
[1] Diese Aussage halte ih für Unsinn. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen einem Buddha, der in Seligkeit schwelgt, und einem normalen Menschen, der auf tausenderlei Art und Weise leidet. Der Unterschied liegt in der Physiologie. Die Physiologie ist dafür verantwortlich, ob wir glücklich oder traurig sind, ob wir durch körpereigene Drogen in einen Zustand der Seligkeit versetzt werden, oder ob wir in Depressionen verfallen. Das dürfte doch wohl jedem Menschen klar sein.

Wir selber sind in der Regel dafür verantwortlich, ob wir glücklich oder traurig sind. Die meisten Menschen entscheiden sich aus Gleichgültigkeit, Unachtsamkeit oder Unwissenheit für die Traurigkeit. Sie leiden unter  psychosomatischen Erkrankungen, für die sie meist ganz allein verantwortlich sind. Vom Konzept der Wiedergeburten halte ich gar nichts. Es gibt nur ein Glück und zwar im Hier und Jetzt. Alles andere ist Wunschdenken.

Es nützt mir gar nichts, wenn jemand mir erzählt, alle Dinge seien Eins, seien göttlich. Was allein zählt, ist die Tatsache, wie ich sie empfinde, wie ich mich fühle. Und wenn ich leide, soll mir bitte niemand erzählen, dies sei göttlich. Nein, unter Göttlichkeit stelle ich mir etwas anderes vor, denn Göttlichkeit, Seligkeit, Freude, kann man fühlen, empfinden. Wenn jemand behauptet, alles sei göttlich, dann ist das genau so falsch, wie wenn jemand behauptet, alles sei teuflisch.
Alle spürbaren Dinge mitsamt dem,
der wahrnimmt,
ebenfalls Stumpfheit, Ablehnung,
Wunsch und Erleuchtung (sind Es).

Alles ist Es. Das ist Es! Diese Totalität ist das, was Tantra Es nennt. Nun sagte Saraha (indischer Tantrameister) zum König: Sorge dich nicht. Ob im Palast oder auf der Verbrennungsstätte, ob du nun als gelehrter Brahmane (Priester) oder als verückter Hund bekannt bist, macht überhaupt keinen Unterschied. Es ist Es. Auch ich bin zu dieser unmittelbaren Erfahrung gelangt, daß der Wahrnehmende und das Wahrgenommene eins sind, daß der Beobachter und das Beobachtete eins sind. Ich bin angekommen. [2]
[2] Wenn der Wahrnehmende und das Wahrgenommene eins sind, wenn also der Mensch und seine Gefühle miteinander in Harmonie sind, wenn da kein Leid mehr ist, welches diese Harmonie zerstört, dann ist man angekommen, dann verschmilzt man mit dem Es, mit dem Göttlichen. Aber nicht eher.
Jetzt kann ich sehen, daß die Unterscheidungen von Gut und Schlecht, Sünder und Heiliger, bedeutungslos sind. Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit. Deshalb nenne ich Tantra die großartigste und rebellischte Haltung in der gesamten Geschichte des menschlichen Bewußtseins. [3]
[3] Solche Sätze, wie "Es gibt keinen Unterschied zwischen Sünde und Heiligkeit" sind für mich Geschwurbel. Sie suggerieren dem Menschen, sie seien bereits am Ziel. Sie halten die Menschen davon ab, sich mit den Ursachen ihres Leid's zu beschäftigen. Sie halten sie in ihrem Leid gefangen und treiben sie in alle möglichen Abhängigkeiten (Drogen, Tabletten, Alkohol, Sexsucht, Kaufsucht, Spielsucht, usw.).
Saraha sagt: Sir, für dich gibt es Trennungen. Dies ist eine Verbrennungsstätte, und wo du lebst ist der Palast. Für mich gibt es keine Unterscheidungen. Auf dieser Verbrennungsstätte standen in der Vergangenheit viele Paläste, die nun verschwunden sind und dein Palast wird früher oder später zu einer Verbrennungsstätte werden. Sei unbesorgt, es ist nur eine Frage der Zeit. Aber wenn du sehen kannst, dann gibt es keinen Unterschied. Es ist dieselbe Wirklichkeit, die irgendwo zum Heiligen wird, irgendwo anders zum Sünder, es ist dasselbe Es. [4]
[4] Es ist ein riesiger Unterschied, ob man Heiliger oder Sünder ist. Es ist der Unterschied zwischen Leid und Seligkeit. Und man wird nicht von Selber zum Heiligen. Dafür muß man schon einiges tun. Aber es lohnt sich, diesen Weg zu beschreiten. Es ist das einzig Sinnvolle, welches man im Leben tun sollte. Alles andere ergibt sich dann von selbst, durch göttliche (?) Fügung.
Die 10 Gebote zum Glück - „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Strahlen der Konzentration und Meditation
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Entsagung ist das wirksamste Mittel, um Gott zu finden
Dein Körper ist ein Geschenk Gottes